2026
Am Hainholzweg 140 in Harburg war noch ein seltenes Beispiel für eine historische Sommerresidenz erhalten. Obwohl das Gebäude baulich vollkommen intakt war und das Archäologische Museum Hamburg seine stadtgeschichtliche Relevanz bestätigt hatte, wurde es im Sommer 2026 für den Bau von Mehrfamilienhäusern abgerissen.
Das Gebäude wurde 1914 im Auftrag des Harburger Kaufmanns Arthur Helms (1875–1923) errichtet. Als Sohn des Senators und Kaufmanns August Helms (1847–1920) entstammte er einer Familie, die das öffentliche und kulturelle Leben Harburgs über Jahrzehnte maßgeblich prägte. Der Bau steht inmitten der einst dichtbewaldeten "Haake". Die Bevölkerung hatte im industrialisierten Harburg großes Verlangen nach frischer Luft und Naturerlebnissen, und so war die Haake als Wald- und Flurgebiet bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts ein beliebtes Ausflugs- und Erholungsgebiet mit vielfaltigen Ausflugslokalitäten. Das Helm´sche Waldhaus wurde für eine rein private Sommernutzung für Ausfahrten und kurze Aufenthalte der Familie Helms gebaut. Die spätklassizistische Fassade mit ihrem Säulen-Portikus, ihrer Putzfassade und seitlichen Giebelausbildungen besitzt eine zurückgesetzte Loggia mit Kuppeldach, die übrigen Dachflächen sind als Walmdächer ausgebildet. Der Bau gilt heute als seltenes Beispiel für eine private Ausflugsvilla als Komplementär zur Villenbebauung in Heimfeld und EiBendorf.
Zuletzt wurde die Villa als Einfamilienhaus genutzt und steht seit ca. 2017 leer. Ihr Äußeres ist bis auf wenige Anbauten aus der Bauzeit erhalten. Im Inneren könnte noch ein Teil der originalen Ausstattung erhalten sein, wobei eine vertiefte Untersuchung der verschiedenen raumbildenden Schichten der Wände, Böden und Decken noch aussteht. Dennoch hat das Denkmalschutzamt das Gebäude als nicht denkmalwürdig eingestuft, mit der Begründung, dass "das einstige Sommerhaus nach Plänen aus dem Jahr 1965 in ein Wohnhaus umgebaut und dadurch stark im stilistischen Duktus der 1950er Jahre verändert wurde." Gravierend seien die Maßnahmen im Inneren, zudem seien die prägenden Oberflächen gänzlich ausgetauscht.
Im Mai 2026 berichtete das Hamburger Abendblatt, dass das Gebäude abgebrochen und auf dem Flurstück ein Mehrfamilienhaus errichtet werden soll. Jens Brauer, Leiter der Abteilung Stadtgeschichte im Archäologischen Museum Hamburg, konstatierte dazu: „Bei dem Haus handelt es sich (...) um ein bemerkenswertes und einzigartiges Zeugnis der Harburger Stadt- und Baugeschichte“.
Das Archäologische Museum Harburg hatte ebenso wie der Denkmalverein für ein sofortiges Abriss-Moratorium und eine erneute Prüfung der Denkmalwürdigkeit plädiert. Auch die Nachbarschaft und die lokale Politik hatte großes Interesse am Erhalt geäußert. Dennoch wurde das Gebäude im Juni 2026 abgerissen.
Historische Postkarte (1917 verschickt): Sammlung Stadtmuseum Harburg
Fotos Zustand 2026: Angela Reuland